22.09.2026 | Die Familie Bronner erhält den ART COLOGNE-Preis 2026

Die Koelnmesse und der Bundesverband Deutscher Galerien und Kunsthändler freuen sich sehr, die Düsseldorfer Sammlerfamilie Bronner als diesjährige ART COLOGNE-Preisträger für Kunstvermittlung bekanntzugeben. Gewürdigt wird ihr über drei Generationen gewachsenes Engagement für das Sammeln, Fördern und öffentliche Vermitteln von Kunst. Mit Schenkungen und Leihgaben an Museen sowie der öffentlich zugänglichen Sammlung Philara hat die Familie nachhaltige Impulse für die Kunst- und Kulturlandschaft gesetzt.

Erstmals seit 2010 – als die Familie Grässlin den ART COLOGNE-Preis erhielt – werden in diesem Jahr wieder mehrere Generationen für ihre besonderen Verdienste um die Kunstvermittlung ausgezeichnet: Anat und Gil Bronner, dessen Eltern Cary und Dan sowie die Kinder bzw. Enkel Philip und Lara. Letztere sind die Namensgeber von „Philara“, einer einzigartigen, von ihrem Vater Gil im Jahr 2016 gegründeten Kultureinrichtung in Düsseldorf.

Sammler, die aus der Sphäre der Privatheit heraustreten und die Kunstszene aktiv mitgestalten, tun dies im Vergleich zur öffentlichen Hand auf sehr individuelle Weise vor dem Horizont ihrer persönlichen Biografie. Schon die Großeltern, Dan und Cary, waren als Kunstsammler aktiv, gründeten eine Stiftung und legten somit die Grundlage für Philara.

1931 im heutigen Tschechien geboren, überlebte Dan Bronner als Jugendlicher den Nationalsozialismus und arbeitete seit Anfang der 1960er-Jahre erfolgreich als Architekt in Düsseldorf. Gemeinsam mit seiner Frau Cary engagierte er sich jahrzehntelang als Mäzen und Leihgeber für den Kunstpalast Düsseldorf. Insbesondere die Graphische Sammlung kam in den Genuss von großzügigen Donationen, darunter rund 120 Blätter von George Grosz aus der Weimarer Zeit. Der Kunstpalast Düsseldorf würdigt das Ehepaar seit 2015 namentlich mit dem Dan-und-Cary-Bronner-Saal. Dan Bronner starb im Frühjahr 2023.

Sohn Gil wuchs mit der Kunstbegeisterung seiner Eltern auf, studierte jedoch Betriebswirtschaft. Er arbeitete lange in Kanada und wurde Projektentwickler für Immobilien. Mitte der 1990er-Jahre zog es ihn nach Leipzig, wo er mit seiner Frau Anat in die Szene rund um die Leipziger Schule eintauchte. Bronners zuvor eher punktueller Kunsterwerb nahm in der sächsischen Musik- und Verlagsstadt kontinuierlich Gestalt an. Auch hauptberuflich spielte Kunst eine zunehmende Rolle. Denn dem Immobilienspezialisten ging es nie um bloße Sanierung, sondern um urbane Gestaltung. Aus Unorten, Leerstand und Brachen sollten lebendige Orte werden. So entstanden an den Stätten seines Wirkens Atelierhäuser und Kulturräume – auch in seiner Geburtsstadt Düsseldorf, wohin er mit seiner Frau um die Jahrtausendwende zurückgekehrt war. Dort, am südlichen Stadtrand, fand ihre zwischenzeitlich beträchtlich gewachsene Kunstsammlung in entsprechend umgestalteten Hallen einer ehemaligen Leitz-Fabrik von 2006 bis 2016 ihr Domizil.

Die Entdeckung einer ehemaligen Glasfabrik mitten im Düsseldorfer Stadtteil Flingern führte schließlich zu der einzigartigen Ausprägung von Philara. Das industrielle Architekturensemble wurde rundum für einen musealen Betrieb umgebaut – Lager, Verwaltung, Dachterrasse, Café und Ausstellungsräume: Mehrere Kabinette und bis zu neun Meter hohe Hallen auf einer Fläche von 1.700 qm bieten optimale Voraussetzungen sowohl für die klassische Hängung von Kunstwerken als auch für raumgreifende Installationen. Hier konnten sich Bronners den Wunsch nach einer dauerhaften Präsenz ihrer Sammlung erfüllen.

Zugänglichkeit und Kommunikation werden bei Philara großgeschrieben. Das Prinzip der Donation macht sich auch im Konzept des Pay what you wish bemerkbar. Besucherinnen und Besucher dürfen, müssen aber keinen Eintritt für die umfänglichen Ausstellungen zahlen. Die Eltern schenkten Kunstwerke an Museen, der Sohn schenkte der Stadt einen offenen, lebendigen Raum kultureller und sozialer Begegnung.

Gil Bronner und seine Familie ermöglichen ihren Besuchenden auf vielen Ebenen Teilhabe an ihrem Kunst-Kosmos, der internationale Hochkultur mit der lokalen Kunstszene verknüpft. Mitunter finden im Hinterhof und im Bistro „Bulle“ Konzerte, Partys, Theater und andere Events statt. Philara befindet sich in Flingern, einem ehemaligen Arbeiterviertel. Dort, in der Birkenstraße ist das Ausstellungshaus von Galerien und Creative Hubs umgeben.

Auch die legendäre Düsseldorfer Kunstakademie spielt eine große Rolle. Denn die Beziehung der Bronners zur Akademie ist seit jeher intensiv; Neuerwerbungen der Sammlung stammen nicht selten von dort – sowohl von den bedeutenden Lehrenden als auch von jungen Künstlerinnen und Künstlern, mit denen die Familie teils jahrzehntelange Freundschaften verbindet. Das Engagement für den Düsseldorfer Kunstpalast setzt die Familie ebenfalls fort. Seit 2017 ist Gil Bronner Vorsitzender des Freundeskreises und Mitglied im Kuratorium.

Für ihre vorbildlich kuratierten Ausstellungen kann die Sammlung Philara aus einem phänomenalen Fundus an rund 2.000 Kunstwerken schöpfen. Neben Einzelpräsentationen bekannter Künstlerinnen und Künstler wie Boris Mikhailov, Alicia Kwade oder Thomas Grünfeld werden auch Erstausstellungen, etwa von der argentinischen Künstlerin Mercedes Azpilicueta, gezeigt. Es gibt Kooperationen mit anderen Sammlungen – etwa mit der Berliner Miettinen Collection – oder Group Shows wie „Breathing Water, Drinking Air“, die sich mit essentiellen Themen befassen, hier mit den Ressourcen Luft und Wasser. In „Mirrors and Windows“ trat im Jahr 2021 das einhundertjährige Jubiläum der Zulassung von Frauen an die Kunstakademie Düsseldorf mit Arbeiten ehemaliger und aktueller Professorinnen in den Blick. Auch die Geschichte des ursprünglich am Standort erzeugten Produktes war schon Ausstellungsthema: Unter dem Titel „Melting Sands – Glas in der zeitgenössischen Kunst“ wurde der Verwendung und Philosophie des ebenso alltäglichen wie immer wieder faszinierenden Materials Glas auf den Grund gegangen.

Kein roter Faden durchzieht Gil und Anat Bronners Kunstsammlung. Ihre Idee von Kunst ist nicht programmatisch, sie ist kein Monolog. Sie ist vielstimmig und vital, bunt und überraschend, lustvoll und anregend – und immer von höchster Qualität. Malerei, Skulpturen, Installationen, wenig Videoarbeiten, viel Fotografie, Zeichnungen und Grafik: das Herz des Sammlers schlägt nach eigenem Bekenntnis für Arbeiten auf Papier.

Von der enormen Vielfalt der Sammlung Philara kann man sich aktuell ein starkes Bild machen. In der Ausstellung „House of Balagan“, die kürzlich zum 10jährigen Jubiläum eröffnet wurde, ist ein Querschnitt von mehr als 100 ausgewählten Arbeiten von über 80 Künstlerinnen und Künstlern zu sehen – erworben aus drei Sammlergenerationen. Darunter finden sich Kunstwerke von Rita Ackermann, Art & Language, Eduardo Chillida, Nicole Eisenman, Silvie Fleury, George Grosz, Tarik Kiswanson, Sarah Morris, Charlotte Posenenske, Rosemarie Trockel, Michael Sailstorfer, Katharina Sieverding, Matthias Weischer, Thomas Zipp – um nur ein rundes Dutzend Namen zu nennen. Die herausragende Ausstellung läuft bis zum 14. Februar 2027.

Die Familie Bronner steht in einer Reihe von Persönlichkeiten, die mit großer Leidenschaft eigenwillige Sammlungen zusammengetragen und dem Publikum zugänglich gemacht haben. Persönlichkeiten, die für die Bewahrung von Kunstwerken, für den Betrieb ihrer Ausstellungshäuser oder andere Formen der Kunstvermittlung beträchtliche finanzielle Mittel aufbringen.

Zu diesen Sammlerinnen und Sammlern zählen Charlotte Zander† (1997), Ingvild Goetz (2001), Frieder Burda† (2002), Harald Falckenberg† (2009), Julia Stoschek (2018), Christian Kaspar Schwarm (2019), Wilhelm Schürmann (2020/21) sowie Karen und Christian Boros (2024), die den mit 10.000 Euro dotierten ART COLOGNE-Preis für Kunstvermittlung in den zurückliegenden Jahren ebenfalls erhalten haben.

Die Verleihung des ART COLOGNE-Preises findet am 6. November 2026 traditionell im Historischen Rathaus zu Köln statt. Die Laudatio auf die Familie Bronner wird Karla Zerressen von der Langen Foundation in Neuss halten.

Die ART COLOGNE öffnet am Donnerstag, den 5. November 2026 mit einer Preview für geladene Gäste sowie der Vernissage ab 16:00 Uhr. Darauf folgen vom 6. bis 8. November 2026 die Publikumstage.

v.l.n.r.: Anat, Philip, Lara und Gil Bronner | Foto: © Susanne Diesner, Düsseldorf 2026

v.l.n.r.: Anat, Philip, Lara und Gil Bronner | Foto: © Susanne Diesner, Düsseldorf 2026