08.12.2016 | Hilfestellungen für die Provenienzforschung

Das neue Kulturgutschutzgesetz sieht gemäß § 44 Abs. 1 für den gewerblichen Handel erhöhte Sorgfaltspflichten für vor 1945 entstandene Kunstwerke vor - ungeachtet des wirtschaftlichen Aufwands für den Verkäufer!

Mit der nachstehenden Hilfestellung zur Provenienzprüfung gibt der BVDG seinen Mitgliedsgalerien eine Orientierung über die wichtigsten öffentlich zugänglichen Datenbanken an die Hand. Wir verdanken diese Zusammenstellung der renommierten und erfahrenen Berliner Provenienzforscherin Dr. Sibylle Ehringhaus.

Die Prüfungen sollten sicherheitshalber intern dokumentiert und datiert werden (z.B. durch screenshots). 

*Auszug:
Gesetz zum Schutz von Kulturgut (Kulturgutschutzgesetz - KGSG) § 44 Erhöhte Sorgfaltspflichten beim gewerblichen Inverkehrbringen
Beim gewerblichen Inverkehrbringen ist der Maßstab des zumutbaren Aufwandes nach § 42 Absatz 1 Satz 3 nicht für Kulturgut anzuwenden,

  1. bei dem nachgewiesen oder zu vermuten ist, dass es zwischen dem 30. Januar 1933 und dem 8. Mai 1945 aufgrund der Verfolgung durch den Nationalsozialismus entzogen worden ist, es sei denn, das Kulturgut ist an seinen ursprünglichen Eigentümer oder dessen Erben zurückgegeben worden oder diese haben eine andere abschließende Regelung im Hinblick auf den Entzug getroffen,

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Hilfen zur Provenienz-Prüfung für den Kunsthandel und private Kunstbesitzer
Welche Datenbank antwortet  worauf?

1. Wird das Objekt offiziell gesucht, da angenommen wird, dass es NS-verfolgungsbedingt entzogen wurde?
Lost Art Internet Datenbank
 [http://www.lostart.de/Webs/DE/LostArt/Index.html]
betrieben vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste, eine von Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden errichtete rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts, Sitz: Magdeburg

Unbedingt der erste Schritt für alle Privatbesitzer und Kunsthändler.

 

2. Ist das Objekt auf dem deutschen Kunstmarkt in Auktionshäusern zwischen 1930 und 1945 angeboten worden?
Getty Provenance Index® Databases
 [ http://www.getty.edu/research/tools/provenance/search.html ]
betrieben vom Getty Research Institute, Sitz: Los Angeles, USA

Besonders wichtig für Besitzer, Sammler und Händler von Gemälden Alter Meister, des 18. und 19. Jahrhunderts

 

3. Wurde das Objekt von der Münchner Galerie Heinemann (1872-1938) gehandelt?
Galerie Heinemann online
, [ http://heinemann.gnm.de/de/willkommen.html  ]
betrieben vom Deutschen Kunstarchiv im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg in Kooperation mit dem Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München

Sammler, Besitzer, Händler von Bildern des 19. Jahrhunderts sollten hier prüfen.

 

4. Stammt das Objekt aus besetzten Ländern,  in denen der Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg, Hitlers spezielle Einsatzgruppe für Raub von Kulturgütern in diesen Ländern, tätig war?
Cultural Plunder by the Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg errproject.org  
[ http://www.errproject.org/ ] verantwortet von der Claims Conference und dem United States Holocaust Memorial Museum, beide USA

Besonders wichtig für Besitzer, Sammler und Händler von Gemälden Alter Meister, des 18. und 19. Jahrhunderts, wenn eine Herkunft aus Frankreich bekannt ist oder vermutet wird.

 

5. Wurde das Objekt als „entartet“ diffamiert, deshalb beschlagnahmt und geriet danach an die heutigen Besitzer?
Datenbank „Entartete Kunst
“ der Forschungsstelle „Entartete Kunst“ des Fachbereichs Geschichts- und Kulturwissenschaften der FU Berlin
[ http://www.geschkult.fu-berlin.de/e/db_entart_kunst/datenbank/   betrieben vom Kunsthistorischen Institut der FU Berlin

Gesamtverzeichnis der 1937/38 in deutschen Museen beschlagnahmten Werke "entarteter Kunst". Es kann nur nach Künstlern und Werken befragt werden, soweit sie bereits für das Netz freigegeben wurden. Das Gesamtverzeichnis fußt auf dem von den Nationalsozialisten angelegten Beschlagnahmeinventar.
[Beschlagnahmeinventar "Entartete Kunst" http://emuseum.campus.fu-berlin.de/eMuseumPlus ]

Wichtig für Besitzer und Händler von Bildern der Klassischen Moderne

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Berlin, im November 2016

Die Empfehlung wurde von Dr. Sibylle Ehringhaus zusammengestellt. Die Kunsthistorikerin ist auf die Kunstgeschichte des 19./20. Jahrhunderts und auf Provenienzforschung spezialisiert.
Kontakt: Dr. Sibylle Ehringhaus (Berlin) I Telefon 030-2345 5755 I ehringhaus@revidet.de I http://www.revidet.de

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